Buchhandel: Me-too vs. Innovation am Beispiel Hugendubel und Sobooks

Online-Bestellung im klassischen deutschen Filial-Buchhandel

Wenn man in Hannover Bücher verschenkt, greift man traditionell gerne – um der alten Zeiten willen – zu einem Gutschein von Schmorl und von Seefeld Hugendubel. Auch ich wurde vor Kurzem mal wieder beschenkt. Und nach zahlreichen E-Books hatte ich wirklich mal wieder Lust auf Lesestoff zum Anfassen aus Papier. Ganz aufgeben wollte ich meine „Amazon-Bequemlichkeit“ aber nicht, also löste ich den Hugendubel-Gutschein online ein, um mir die Bücher ins Büro liefern zu lassen. Auf den Feierabend-Umweg in die überfüllte Innenstadt-Filiale hatte ich keine Lust. Gesagt getan, online bestellt. Auch Hugendubel war in der Lage mir die Bücher innerhalb von zwei Werktagen zukommen zu lassen. Prima.

Benutzerkonto bei Hugendubel ohne wirkliche Vorteile

Weil ich davon ausgegangen war, dass meine Online-Bestellung auf hugendubel.de eher ein Einzelfall bleiben würde, bestellte ich nur als Gast, ohne mich mit einem Benutzerkonto zu verewigen. Kurz nach erfolgreicher Bestellabwicklung sprach mich Hugendubel noch einmal per E-Mail an, um mich von den vermeintlichen Vorzügen eines Benutzerkontos zu überzeugen (siehe Screenshot der E-Mail unten).

Von den Argumenten für ein Nutzerkonto war ich ziemlich enttäuscht. Wohl auch überrascht, dass man bei Hugendubel in Zeiten erdrückender Konkurrenz aus Übersee und neuer Geschäftsmodelle dermaßen einfallslos agiert, um Neukunden bei der Stange zu halten. Rechungsdownload als PDF oder Speicherung von Lieferadressen sind wahrlich nicht mehr der Rede wert und nur noch Vorteilsargumente aus grauer Web-1.0-Zeit.

Was beim Thema Reader nicht mehr als eine Me-Too-Strategie darzustellen scheint kommt auch im E-Mail-Marketing als große Ratlosigkeit rüber.

Hugendubel E-Mail

Gan zu schweigen von der Verpackung der vermeintlichen USPs als Textwüste ist es mutig, dass Funktionen wie Merkzettel und Newsletter-Abmeldung im persönlichen Nutzerkonto noch als Vorteile hervorgehoben werden. Hier wurden durchweg Eigenschaften aufgelistet, die in 201x niemanden vom Hocker hauen, wenn man im Online-Handel erfolgreich sein möchte. Wo sind hier wirkliche Alleinstellungsmerkmale, die gegenüber Amazons Marktmacht Erfolg versprechen könnten?

Online Lesen mit Freunden: Sobooks sucht den Lese-USP im sozialen Netz

Einen ganz anderen Weg in neue Formen des Lesens zeigen Christoph Kappes und Sascha Lobo mit ihrer Plattform Sobooks auf. Hier liest man Bücher als elektronische Ausgaben direkt im Browser von Desktop-Rechner, Tablet oder Smartphone. Das Besondere: während des Lesens kann man seine Gedanken und Kommentare direkt neben dem Text mit anderen Nutzern der Plattform teilen. Daher der Begriff „Sobooks“ was für „Social Books“ steht. Sobald andere Nutzer an die gleiche Stelle im Text gelangen, werden in der Seitenspalte bereits hinterlassene Kommentare anderer Leser angezeigt. So können unabhängig vom Zeitpunkt des Lesens Gespräche rund um den Inhalt entstehen, wie im Beispiel dargestellt.

Buch lesen in Sobooks: in der Seitenspalte kann diskutiert werden
Lesen und gleichzeitig Textpassagen diskutieren

Neben der Kommentar-Funktion hat man die Möglichkeit, einzelne Sätze in den sozialen Medien zu teilen, was wiederum von den Verlagen, deren Werke in Sobooks zu lesen sind, autorisiert wurde.

Noch ist die Zahl der Bücher in Sobooks überschaubar. Weiteres Wachstum und funktionaler Ausbau werden aber in den FAQ versprochen.

Modell Sobooks bisher einzigartig

Für mich ist Sobooks ein gelungenes Beispiel für den innovativen Einsatz neuer Medien in bestehenden Märkten, die dem Lesen eine neue Facette verleihen. Es bleibt abzuwarten, ob das Modell massentauglich und profitabel sein kann. Der entscheidende Unterschied zu den digitalen Aktivitäten anderer deutscher Buchhändler wie Hugendubel ist, dass man bei Sobooks versucht, wirkliche Innovation zu schaffen, die das Zeug zum Alleinstellungsmerkmal haben.

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